Flexileine - Sinn oder Unsinn?

Man sieht sie inzwischen überall - die Flexileine, oder auch Rollleine genannt. Doch ist sie wirklich zu empfehlen und so praktikabel wie man denkt?

 

Wenn ich Hundehalter frage, weshalb sie sich für die Flexileine entschieden haben, ist es oft ein Argument, das der Hund viel Freiheit genießt und die Leine auch an Schmuddeltagen nicht dreckig wird. Jeder der schon mal eine Schleppleine vom nassen Waldboden aufnehmen musste, weiß wie die Klamotten danach aussehen. 

 

Die Flexileine wirkt auf den ersten Blick also sehr praktisch und Hundefreundlich. Doch meiner Ansicht nach, ist das Thema etwas komplexer.

 

Starten wir mit der Befestigung am Hund:

Viel zu oft sehe ich Flexileinen, die an einem Halsband befestigt sind. So entsteht dauerhafter Zug am Hals, der zu körperlichen Problemen und Einschränkungen führen kann. 

Sicherer ist das Führen am Geschirr. Der Zug, den die Hunde überwinden müssen um vorwärts zu kommen, bleibt trotzdem. Oft habe ich miterlebt, dass diese Hunde sich mit der Leinenführigkeit schwer tun, wenn sie dann an einer normalen Leine laufen müssen. Sie haben gelernt: wer zieht kommt ans Ziel! 

 

Die Handarbeit:

Eine Flexileine lässt sich angenehm halten, grundsätzlich benötigt man dafür auch nur eine Hand, so dass die Zweite sich mit anderen Dingen, wie zum Beispiel dem Handy widmen kann. So lange, bis der Hund unerwartet stark zieht und die Leine aus der Hand reißt. Da ist nun das Schlamassel perfekt, ein rennender Hund, der ein klapperndes Teil hinter sich herzieht. Hunde die auch mal in Panik verfallen, lässt es womöglich noch schneller rennen, aus Angst, das lärmende Ding könnte sie einholen. 

Diesen Hund dann wieder einzufangen könnte sich als Herausforderung darstellen. Auch eine im Wald verfangene Ausziehleine kann ein zurückkommen unmöglich machen.

Eine weitere schmerzhafte Erfahrung sammelt man, in Situationen, in denen der Hund seinen besten Freund,  schlimmsten Feind oder einen Hasen entdeckt und man, satt die Feststelltaste zu betätigen, in die sich ausziehende Leine greift.... ja, das macht man nur einmal, dass verspreche ich!

 

Der Gehorsam:

Soll der Hund zurückkommen, so beschreibt es die Anleitung, soll man durch schwenken und feststellen der Leine den Hund Meter für Meter näher an sich heran bringen. Ich nenne das "Hundeangeln". 

Hier sehen ich tatsächlich den größten Nachholbedarf für Flexileinen Nutzer. 

Der Hund wird abrupt gestoppt, zurück geangelt und wieder laufen gelassen ohne das man ihm kommuniziert, was man von ihm möchte.

 

Hier ein kleiner Exkurs:

Möchte ich das mein Hund stehen bleibt, gebe ich das Kommando "Stop" bevor mein Hund in die festgestellte Leine rennt. So ermögliche ich es ihm zu lernen, das eine unangenehme Konsequenz folgt, sollte er auf "Stop" nicht stehen bleiben. 

Soll mein Hund zu mir kommen, fange ich nicht das angeln an, sondern rufe freundlich seinen Namen und gehe langsam kleine Schritte rückwärts. Das motiviert meine Hund zu mir zu laufen. Nun läuft er also auf mich zu, dieses Verhalten fange ich ein und gebe ihm einen Namen. Also Hund läuft, ich sage "Hiiiieeeer" und belohne ihn abwechslungsreich und spannend wenn er bei mir ist. 

Exkurs nicht vollständig, aber zu Ende. ;-)

 

Die Flexileine und das Hundeverhalten:

Oftmals wird diese Leine genutzt, weil der Hund nicht abgemacht werden kann, die Gründe sind verschieden. Die läufige Hündin, ein jagender Fiffi oder Leinenpflicht auf der Gassiroute, verlangen uns viel ab, dennoch wollen wir dem Hund das Maximum an Auslauf bieten.

 

Mein Fazit:

Unter diesen Voraussetzung empfinde ich die Flexileine als Bereicherung für die Hundewelt. Dennoch wird sie viel zu oft genutzt um sich noch weniger mit seinem Hund zu beschäftigen. Der Hund hat scheinbar genug Auslauf  und erziehen muss ich ihn auch nicht, im Zweifelsfall angle ich mir den Hund eben. Diese Einstellung ist trügerisch und lässt den Hund nur "nebenher" laufen. Auch die oben genannten Gefahren werden viel zu oft unterschätzt.

 

Nutzt man die Flexileinen allerdings als "verlängerten Arm", kommuniziert mit seinem Hund und bleibt für ihn interessant, kann ich sie wahrlich nicht verteufeln, sondern sehe darin ein Stückchen mehr Freiheit, die auch Hunde in bestimmten individuellen Situationen ein freieres Spazieren gehen ermöglicht.

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ATN Tierpsychologie Absolvent - Tierpsychologie Ausbildung - ATN Akademie

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